Kirchenbank
 
 
Um das Jahr 1553 hatte sich die Reformation durchgesetzt. Das kirchliche Leben blieb im wesentlichen wie vorher. Der einzige Unterschied war, dass man nun die Lehen nicht mehr zum Lebensunterhalt der Geistlichen verwandte, sondern ihnen in sozialen Einrichtungen neue Aufgaben zuteilte. Allmählich begann man auch, das religiöse Brauchtum des 15. Jahrhunderts als Aberglauben zu betrachten. So vollzog sich eine immer stärkere innere Zuwendung zur neuen Lehre. Aber die Bewohner Münders bildeten nach wir vor in kirchlichem Sinne eine Einheit. Was vorher ihr christlicher Glaube war, setzte sich nun im lutherischen Bekenntnis fort. 1589 wurde die Pfarrei zur Superintendentur erhoben. Das blieb sie 300 Jahre lang, bis 1889 die Superintendentur nach Springe verlegt wurde. 23 Jahre zuvor, im Jahre 1566, war eine zweite Pfarrstelle als Ersatz für die vormalige Kaplanei geschaffen worden, die zunächst bis 1922 bestand. Ihre vorübergehende Auflösung war eine Folge des 1. Weltkrieges, der unter anderem auch einen Mangel an Geistlichen verursacht hatte. Im Jahre 1949 wurde die zweite Pfarrstelle neu errichtet.

Dass es auch weiterhin Anhänger der alten römischen Tradition gab, mag den Münderanern im 30jährigen Krieg bewusst geworden sein. 1625 drangen Truppen der katholischen Liga unter Tilly in die Stadt ein und trieben hier ihr zerstörerisches Unwesen. Eine gewaltsame Gegenreformation im Calenberger Land wurde 1630 durch das Eingreifen des Schwedenkönigs Gustav Adolf verhindert.

Der Westfälische Friede von 1648 brachte es mit sich, dass bis auf wenige Gebiete der ganze Norden Deutschlands protestantisch wurde. Das bis dahin bestehende Bistum Minden wurde aufgelöst. Es begann eine Zeit geistlicher Entfremdung zwischen Katholiken und Protestanten ungeahnten Ausmaßes. Dieser Zeitströmung entgegenzuwirken insbesondere mit der Intention, katholischer Christen ein Leben auch in den Herrschaftsgebieten protestantischer Fürsten zu ermöglichen, hatte sich das päpstliche Werk der Nordischen Missionen zur Aufgabe neben anderen gemacht. Es war als Fortsetzung der Gegenreformation gedacht, Ende des 16. Jahrhunderts eingerichtet und der päpstlichen Nuntiatur in Köln unterstellt worden.
 
Dieses Bemühen machte sich auch im Calenberger Land bemerkbar. Herzog Georg Wilhelm hatte im Jahre 1663 seine Residenz nach Hannover verlegt und damit Hannover zur Hauptstadt Calenbergs gemacht. Sein Nachfolger Johann Friedrich war zum katholischen Glauben übergetreten, daher erwachte in der Residenzstadt das katholische Leben aufs neue. Die Schlosskirche wurde katholisch und von Franziskanermönchen betreut, was allgemein großes Aufsehen in Hannover erregte. Berichten von Zeitgenossen ist zu entnehmen, wie geradezu exotisch der römisch-katholische Gottesdiensst empfunden wurde.

In Hameln war, wie auch in Münder, das katholische Leben nach der Reformation gänzlich erloschen. Jedoch konnte es sich hier früher als in unserer Stadt wieder etablieren. Ein Verbot aus dem Jahre 1699 zeigt an, dass gegen Ende des 17. Jahrhunderts zumindest vereinzelt in Hameln wieder katholischer Gottesdienst stattgefunden haben muss.

Die Zahl der Katholiken in Münder wird 1819 mit 9 angegeben. Hierbei dürfte es sich um die Familie des Stadtmusikus Christoph Parlaska gehandelt haben. Es ist unbekannt, ob diese jemals mit der neu entstehenden katholischen Gemeinde verbunden waren. Über einen Kontakt zu den später hier ansässigen katholischen Familien ist jedenfalls nichts zu erfahren. Vermutlich waren die Familien Parlaska nach über einer Generation im kirchlichen Leben der evangelischen Gemeinde aufgegangen.

Das Jahr 1846 brachte eine Wende. Die alte Glashütte, die in diesem Jahr ihren Betrieb aufnahm, hatte in der Folgezeit auch mehrere Glasmacher und Arbeiter katholischer Konfession eingestellt. Diese wurden zumindest vorübergehend in Münder seßhaft und bildeten mit ihren Familien eine kleine katholische Gruppe, sofern sie nicht durch ihre in Münder geschlossenen Ehen veranlasst wurden, evangelisch zu werden.

Die zweite entscheidende Wende ereignete sich im Jahre 1896. Bischof Wilhelm entsprach dem Wunsch der Baronin Freifrau von Hake die ihn um die Unterstützung der katholischen Erziehung ihrer Kinder, zugleich aber auch für die seelsorgerische Betreuung der mittlerweile hier ansässigen Katholiken bat. Der Kaplan von Peine, Leopold Scharla, wurde mit Wirkung vom 1. Mai 1896 zum Hausgeistlichen von Schloß Hasperde ernannt. Im Schloß Hasperde wurde eine Kapelle eingerichtet. Diese Kapelle wurde nun Gotteshaus und Mittelpunkt der neuen Missionsstation, der ersten und einzigen in dem weiten Gebiet zwischen Hannover und Hameln. Kirchenrechtlich erhielt sie den Status einer Kaplanei  und unterstand der Pfarrei St. Clemens in Hannover. Am 3. Mai 1896 feierte Kaplan Scharla in dieser Kapelle die erste Heilige Messe. Mit der freiherrlichen Familie hatten sich 28 Gottesdienstbesucher eingefunden.


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